Ein Wochenende, zwei Lügen

Das Wochenende der Lügen begann mit einem Besuch in einem chinesischen Restaurant der mit zwei Likören für die Eltern, die nicht getrunken wurden, und zwei blauen Schleckern für die Kinder, die begeistert genommen wurden, geendet hat. Die Schlecker färbten in sekundenschnelle die Lippen und die Zungen meiner Töchter blau, danach hinterließen sie blaue Striemen auf dem Teppich, den Couchpolstern und der Wand. Als die Zweijährige ihren Mittagsschlaf machte, entsorgte ich den Rest ihres Schleckers im Mistkübel, da sie, meiner Meinung nach, bereits genug künstliche Farbstoffe zu sich genommen hatte. Die Zweijährige war naturgemäß anderer Meinung und nach dem Aufwachen wurde ich im dreißig Minuten Takt gefragt: „Wo ist mein Schlecker?”.

Foto: Cillian Storm

Foto: Cillian Storm

Die Frage war von ihr neutral gestellt, doch ich wurde bei jedem Mal nervöser und mein schlechtes Gewissen größer, denn ich entzog mich der Antwort, genauer gesagt log ich sie mit meinem „Weiß nicht!?!?!” an.
Am Tag darauf folgte die nächste Lüge. Ich war mit meinen Kindern mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs und wie wir so auf der Bank saßen und auf den Bus warteten drehte sich die Fünfjährige um und entdeckte Buchstaben auf der Lehne.
„Was steht da?”, fragte sie mich und ich las, vollkommen überrumpelt, den Spruch vor.
„Cops are bastards”, rief ich, um von dem Inhalt abzulenken, mit fröhlicher Stimme und hoffte, dass der Bus jetzt sofort kommt.
Er kam nicht, dafür kam das was kommen musste.
„Was heißt das?”, wollte die Fünfjährige wissen und ich musste eine Entscheidung treffen und zwar schnell, denn jedes Zögern macht sie misstrauisch und Misstrauen ist ein Nährboden für WARUM-Fragen.
Sollte ich lügen? Sollte ich es ihr übersetzen und zu erklären versuchen? Kann man diesen Spruch einer Fünfjährigen erklären? Und wenn ja, wie? Darauf fand ich auf die Schnelle keine Antwort also bastelte ich eine halbwahre Übersetzung die in meine die -Welt -ist schön- und- die Menschen- sind- nett- zueinader- Fantasie passte.
Der Bus kam, wir stiegen ein und fuhren in den Tiergarten.
Aber die Frage blieb:
Habe ich richtig gehandelt oder sollte ich meinen Kindern immer die Wahrheit sagen?

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