Gewissenfarge:

K. hat schlechte Laune und die versucht sie auch gar nicht zu verbergen. Das Wetter ist zu heiß, der Kellner zu langsam und auch ich bekomme auch mein Fett weg.
„Schreib doch endlich etwas Gutes über Mütter.”, faucht sie mich plötzlich, aus heiterem Himmel, an.
„Was schwebt dir so vor?”, frage ich sie, betont ruhig, und versuche ihren Ton zu ignorieren (was mir nicht ganz gelingt)
„Na einfach etwas, was uns Mütter in ein positives Licht setzt.”, meint sie kurz angebunden und wechselt danach das Thema.
Meine Gedanken bleiben aber noch lange bei ihrer Aussage hängen.
Vielleicht hat K. recht, grüble ich, ein wenig Solidarität schadet nie, rede ich mir ein.
Zu Hause vor dem Computer kamen mir dann die ersten Zweifel, denn DIE Mütter gibt es nicht.
Mütter sind Frauen die ein Kind bekommen, adoptiert oder zur Pflege haben, aber in erster Linie sind sie Frauen und so wie es reiche und arme, schöne und hässliche, glückliche und traurige Frauen gibt, sind auch Mütter eine Gattung die sich durch Vielfalt auszeichnet.
Ich kenne eine Mutter, die hat ihren Sohn, als dieser ein paar Jahre war, beim Vater gelassen und sich danach in einem fernen Land selbstverwirklicht.
Ich kenne eine Mutter die viel Zeit und Energie in ihr Studium investiert hat und seit der Geburt ihres Kindes (die nun acht Jahre her ist) vom Berufsleben nichts mehr wissen will, lieber backt sie selber Brot.

Foto: Matt McGee

Foto: Matt McGee

Ich kenne eine Mutter, die ihr Kind jeden Morgen vierzig Minuten mit dem Auto zur Schule fährt und es am Nachmittag wieder abholt (was für sie insgesamt 3 Stunden im Auto ausmacht) damit es in eine Montessori Schule gehen kann.
Ich kenne eine Mutter deren sechsjähriges Kind in der Früh alleine aufsteht, Frühstück macht und zur Schule geht, weil sie länger schlafen will.
Und alle haben nur eines gemeinsam: Sie werden bei ihren Karrierechancen, ihrem Verdienst, der Höhe ihrer Pension benachteiligt, weil sie Mütter sind.
Doch das meinte K. sicher nicht, als sie mir vorschlug, etwas Positives über DIE Mütter zu schreiben, aber DIE Mütter sind eben verschieden, manche liegen mir mehr, manche weniger und manche kann ich nicht verstehen und manche nicht ausstehen

Und nun werde ich recherchieren, ob es so etwas wie Penisneid wirklich gibt, denn die Fünfjährige hat mir heute eröffnet, dass sie lieber ein Spatzi hätte. Auf meine Frage warum denn, zuckte sie nur mit den Achseln und meinte „Das ist viel besser.”
Mehr darüber in einigen Tagen.

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