Bub oder Mädchen

Ich verfolge seit Jahren begeistert Waschmittelwerbungen und Studien, die einen Zusammenhang zwischen dem Essverhalten von Frauen und dem Geschlecht ihres Nachwuchses erforschen. Für mich sind sie wie Telenovellas, man hat das Gefühl die Handlungen und die Dialoge bereits zu kennen und das AHA-Erlebnis ist sehr gering, trotzdem finden sie immer wieder Anhänger. So geistern seit Jahren Forschungsergebnisse in den Medien herum, in denen Frauen, die Buben bekommen wollen, geraten wird viel Salz zu essen, dann wieder viel Zitrone oder wenig Süßes. Das neueste Mosaikstück zu diesem Thema lieferten vor kurzem eine Forscherin der University of Exeter und ihre zwei Kollegen von der University of Oxford. Sie ließen Frauen essen, manche mehr und manche weniger und kamen zu einem verblüffendem Ergebnis: Viele Kalorien bedeuten viele Buben, wenig Kalorien sind hingegen mit weiblichem Nachwuchs gleichzusetzen. Doch es ist, wie bei der Kalorientabelle einer Freundin, die seit Wochen streng Diät hält und trotzdem zunimmt, alles nur ein Rechenfehler berichtet DER SPIEGEL. So bleibt es wie es immer war: Die zukünftige Mama soll Schweinebraten essen oder nicht und dann wird es sicher ein Bub, oder auch ein Mädchen.

Foto: Jon Ovington

Foto: Jon Ovington

Auch wenn Frauen mittels Nahrung keinen Einfluss nehmen können bringt das Geschlecht ihres Nachwuchses für sie weitreichende, bisher noch unbekannte Veränderungen, mit sich. Das profil informiert über eine internationale Vergleichstudie der britischen Sozialforscher Andrew Oswald und Nattavudh Powdthavee, die sagt, dass sich die politische Einstellung von Eltern nach der Geburt ihres Kindes ändert und zwar abhängig davon ob ihr Neugeborenes ein Bub oder ein Mädchen ist. Die Rosa-Fraktion tendiert mehr nach links und die hellblaue nach rechts (wenn das stimmt, ist man dann nach dem zehnten Buben vollkommen blau).
Dieses Forschungsergebnis wird das Werbeverhalten der Parteien von Grund auf ändern, der Internet Wahlkampf von Obama wird veraltet aussehen, wenn sich in Zukunft die Parteienvertreter als Hebammen verkleiden und den Eltern gleichzeitig mit dem Baby ihre Broschüren in die Hand drücken.

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