Vergangene Woche saß ich eines späten Nachmittags mit meinen beiden Töchtern im Garten, die Vögel zwitscherten, der Nachwuchs spielte ohne zu streiten wer was wann nicht oder doch gemacht hat und ich ließ mir die Sonne auf die Nasenspitze scheinen.
„Was für ein schönes Leben haben Mütter doch.”, dachte ich bei mir und vergaß die Sieben-Tage-Woche ohne Überstundenaufschlag und Gefahrenzulage, die miese Bezahlung und das schlechte Image dieses Jobs.
Ich war einfach nur zufrieden. „Vielleicht sollte ich uns filmen und das Werk den ANDEREN zeigen, die Geburtenrate würde dann sicher in die Höhe schnellen.”, träumte ich vor mich hin und sah die ANDEREN, also die ohne Kinder, in fensterlosen Büros arbeiten, in nicht-klimatisierten Geschäften stehen, ich sah sie schwitzen während ich mich entspannte. Und ich hatte Mitleid mit ihnen.
Ein paar Tage später, als ich mit meinen beiden Töchter in die Stadt ging um Badehosen zu kaufen, kam die Wahrheit ans Licht. Die ANDEREN waren gar keine Arbeitssklaven. Sie konnten in einem schattigen Gastgarten sitzen ohne auf die Uhr zu schauen, wann der Kindergarten zumacht, ohne noch schnell in ein Geschäft zu hetzen, um diesen einen bestimmten Bleistiftspitzer zu besorgen, ohne, so wie ich, die Augen wie ein Chamäleon zu verdrehen, damit ich beide Kinder im Blickfeld behalten kann.
Die ANDEREN haben unbegrenzt Zeit für sich und als ich das sah, verwandelte sich mein Mitleid in Neid und ich erkannte, diese fünf Minuten Ruhe im Garten waren einer Selbsttäuschung entsprungen, die mir aber immerhin den Tag versüßt hat.

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