Vornamen und Amen

Während meiner ersten Schwangerschaft war ich jede Woche von einem neuen Vornamen begeistert, doch keiner hielt der genaueren Betrachtung stand, denn er musste sowohl im Kindes- als auch im Erwachsenenalter Sinn machen, er musste für eine Konzernleiterin ebenso passen wie für eine Künstlerin, denn wer weiß welchen beruflichen Weg meine Tochter einschlagen wird, er sollte nicht zu häufig vorkommen, aber auch nicht zu exotisch sein. Namen für Kinder zu finden ist eine schwierige Sache, an der ich definitiv gescheitert bin und sie deswegen an meinen Mann ausgelagert habe.
„Wissenschaftler in Miami, Florida, haben nachgewiesen, dass in uns sehr konkrete Vorstellungen existieren, welcher Namensträger wie aussieht.”, schreibt die Tageszeitung Kurier und ich gebe diesen klugen Köpfen vollkommen recht. Eine Schulkameradin von mir hieß Mechthild, die einzige die mir bisher in meinem Leben untergekommen ist, aber ich wette, dass jede Mechthild blond ist, dicke Brillen trägt und leichten Vorderbiss hat und weil das Leben gerecht ist, war Mechthild in einen Gerfried verliebt, der jeden Tag Hochwasser-Jeans und weiße Socken trug. (Sie wurden nie ein Paar, was ich persönlich sehr schade finde, denn auf die Namen ihrer Kinder wäre ich sehr gespannt.)
Während meiner zweiten Schwangerschaft ging ich bereits zweimal täglich, auf dem Weg zum Kindergarten, durch einen großen Friedhof und holte mir auf den Grabseinen Namensinspirationen. Dort fand ich auch den einen, einzigen, großartigen Namen, von dem ich bis dahin nicht einmal gewusst hatte, dass er existiert: THUSNELDA.

Foto: Blogwiese

Foto: Blogwiese

Wie schaut eine Thusnelda aus? Hat sie weiße, wallende Kleider, blonde Locken, Plastik-French-Nails? Ich finde kein Bild zu diesem Namen, was egal ist, denn er ist wahrscheinlich mit dem Tod dieser Frau vor 45 Jahren ausgestorben und ich habe ihn auch nicht wieder auferstehen lassen.

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