Jäger der versteckten Schätze

F. baut sich mit ihren 4 ½ Jahren vor mir auf und sagt: “Papa, mir ist fad, spiel mit mir!” Wer kennt das nicht: es ist Wochenende, der Kindergarten oder die Schule sind geschlossen, der Partner auf wohlverdienter ich-brauche-Zeit-für-mich-Pause und du bist alleine mit dem Nachwuchs und übernimmst die Nachmittagsbeschäftigung. Was soll ich unternehmen?

„Also, mein Schatz, Papa hat sich etwas überlegt - lass uns spazieren gehen.” Mit diesen Worten habe ich schon verloren, F. hebt angewidert ihre Augenbrauen und meint:„Das ist öd!” Stimmt genau, ich muss es ihr natürlich besser verkaufen - 2. Versuch: „OK F., lass uns etwas erleben, stürzen wir uns in ein Abenteuer - wir werden auf eine richtige, große Schatzsuche gehen!” verkünde ich kühn.img_8584

Das Web 2.0 ist in seiner Kreativität und Vielfalt bekanntlich grenzenlos und so findet man auch genau hier die passende Lösung für die Nachmittagsbeschäftigung, samt eigener Community: Geochaching heißt die elektronische Schnitzeljagd. Ein Spiel, bei dem es gilt, in der realen Welt nach kleinen Schätzen zu suchen, die von anderen Mitgliedern, meist sehr liebevoll, versteckt werden. User Generated Conntent eben, allerdings in echter Umgebung als echtes Abenteuer. Weltweit gibt es derzeit mehr als 700.000 dieser Verstecke in unterschiedlichen Größen und Schwierigkeitsgraden, allein in Wien sind zurzeit weit mehr als 500 kleine Schätze an Orten versteckt, wo man es nicht für möglich gehalten hätte.
Ein paar Vorbereitungen müssen allerdings noch getan werden: So kann aus einer Vielzahl an Möglichkeiten eine ausgewählt werden und da man die Schätze nicht einfach plündert, wie zu Captain Hooks Zeiten, muss auch ein Tauschobjekt mitgebracht werden. Was ist dafür besser geeignet, als eine, aus einem Überraschungsei entschlüpfte Gimmick-Figur, die sowieso nur in einer Sammelkiste Staub ansetzt. In unserem Fall trennt sich F., schweren Herzens, von einem ihrer Schlümpfe!

Ausgestattet mit einen GPS-Gerät (ist bald in jedem besseren Handy integriert) einer Schatzkarte (Ausdruck des Rätsel inklusive dem ungefähren Standort in Google Maps) und einem Plastikschlumpf brechen wir beiden Desperados auf und werden erst mit fetter Beute wieder heimkehren!

Wir haben den Multicache: Hits for Kids-Penzing gewählt. Unser Weg führt uns, auf einer Länge von ca. 1,5km über 3 Spielplätze, mit ebenso vielen Spielpausen für F. und Denksportaufgaben für den Piratenpapa. Bei den Rätseln handelt es sich um einfache Beobachtungs- und Rechenaufgaben, die in diesem Fall nicht von einem Kleinkind alleine zu meistern sind, also bekomme auch ich genug zu tun. Jede Lösung ergibt die nächsten GPS-Koordinaten und führt zu einer weiteren Aufgabe.

Der letzten GPS-Punkt lotst uns direkt in ein Gebüsch, wo der Schatz darauf wartet, gehoben zu werden. Die Spannung steigt auf ihren Höhepunkt. Durch die gegebene Ungenauigkeit von GPS, muss man in einem Radius von ca. 5-10 m suchen. Nachdem wir ein paar Steine umgedreht, unter einen Busch gekrochen und eine Laubhaufen durchwühlt haben, zieht F. ein Honigglas aus einem hohlen Baumstamm. Ihre Augen funkeln, als hätten wir eine Truhe voll Gold gefunden.


Um beim Inspizieren des Schatzes kein Aufsehen zu erregen, setzten wir uns auf eine nahe Parkbank. Dieser Schatz ist unser Geheimnis und die verständnislosen Blicke der Muggles, so werden die Unwissenden genannt, sind höchst unerwünscht. F. kann es kaum erwarten ihren Schlumpf gegen ein noch wertvolleres Objekt einzutauschen - den neben dem Geocaching-Logbuch einem Matchboxauto, ein paar Panini-Pickerl und einem grünen Stern befindet sich, welch ein Glück, der Oberschlumpf im Geocache!

Eine genauere Spielanleitung gibt es hier.

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