Die erschütternden Folgen des Amoklaufs eines 17-jährigen Jugendlichen, am 11.März an der Albertville-Realschule in Deutschland haben eine heftige Diskussion um die Gewaltdarstellung in Computerspielen, im speziellen von Ego-Shootern, ausgelöst. Soll man solche Spiele verbieten? Werden die Spieler zu Killern oder können sie gar die Realität von der Fiktion nicht mehr unterscheiden?
Ich möchte an das Thema aus der Sicht eines Vaters herangehen, der wie alle von uns, natürlich auch einmal ein verspieltes Kind war und sich seinen Spieltrieb weitgehend erhalten hat. Ich bin Computerspieler der ersten Generation, aufgewachsen mit Pong, Pac-Man und Space Invaders. Zu dieser Zeit gab es die grafischen Möglichkeiten für realistische Gewaltdarstellung nicht. Als die ersten Ego-Shooter auf den Markt kamen war ich bereits 23 Jahre und mein Charakter einigermaßen gefestigt. In meiner Pubertät achtet meine Mutter darauf, dass ich nicht übermäßig viel Zeit mit den Games verbrachte, deren Inhalt war ihr egal. Heutzutage ist so ein Verhalten, in meinen Augen, verantwortungslos. Kinder sollen mit Computerspielen aufwachsen - unbedingt, sie können davon lernen und auch Unterhaltung und Wettkampf mit Gleichgesinnten finden. Meine vierjährige Tochter spielt bereits einfache Spiele am PC, aber nie alleine. Ich sehe meinen Auftrag als Vater, dafür zu sorgen, dass sie nur Medien konsumiert, die sie auch geistig und emotional verarbeiten kann - Spiele, Filme, Fernsehprogramm(derzeit noch nicht), alles sollte altersgerecht sein. Beim Kasperl sitzt sie des Öfteren so angespannt, wie ein Erwachsener vor einem Krimi wenn der Mörder, mit gezogener Waffe, ums Eck schleicht. Bei einfachen Zeichentrickfilmen kommen oft Fragen wie: „Papa, das ist nicht echt, oder kann man mit einer Leiter zum Mond klettern?” Sie beschäftigen oft Dinge, an die ich nie gedacht hätte und da ist es doch wichtig, sie mit ihren Fragen nicht alleine zu lassen. Ich möchte nicht wissen, was passiert, wenn ich meinem Kindergartenkind (oder einem Volkschulkind) einen USK 18 Shooter zum Spielen gebe und keine Möglichkeit darüber zu sprechen. Auf Ego-Shooter wird meine Vierjährige demnach noch einige Zeit (12-14 Jahre) verzichten müssen, was aber nicht heißt, dass der Papa nicht darf!
Das Problem, welches zu dem Amoklauf in Deutschland geführt hat, lässt sich mit Sicherheit nicht auf Gewalt-Spiele und Schusswaffen reduzieren, da muss mehr dahinterstecken, aber der Todesschütze hat sich als 17 Jähriger, vermutlich seit Jahren in die Welt von Ego-Shootern zurückgezogen und hat angeblich im Alter von 11 Jahren seine erste Soft-Gun für Übungszwecke von seinen Eltern bekomm. Warum Eltern ihr Kind, das offenbar schon einen problematischen Charakter hat, emotional derart überfordern, ist mir ein Rätsel. Nicht der Verkäufer im Media-Markt ist verantwortlich dafür, was unser Nachwuchs spielt, nicht der Spielwarenhändler dafür, ob unsere Kids mit Spielzeugrevolvern aufeinander los gehen - es ist die Pflicht der Eltern dafür zu sorgen was gespielt wird, oder zumindest, dass die Virtuelle Realität nicht zum Lebensinhalt wird.
Ein falscher oder zu hoher Konsum von Medien zeigt meiner Meinung nach, oft einen Mangel an sozialen Kontakten auf. Eine fehlende Kommunikation zwischen Eltern und Kindern wird viel mehr Schaden anrichten, als jedes Computerspiel.

Im Blog vom Max Kossatz bin ich auf die Aktion “Games don’t kill” von einige Bloggern, unter der Initiative von Jana Herwig und Harald Eckmüller, gestoßen. An diese Aktion habe ich mich angeschlossen um zu zeigen, dass das Problem nicht bei der Spieleindustrie und deren erwachsenen Konsumenten liegt. Ich denke, es sind sich alle Unterstützer einig, dass weder die die fiktiven Waffen aus den Spielen, noch die Realen als Ursachen für Amokläufe herangezogen werden können, denn um das zu analysieren muss man viel tiefer in die Psyche eines Täters blicken und sein gesellschaftliches Umfeld betrachten.
Ein Teil meiner Papamission wird sich mit der Empfehlung von Computerspielen beschäftigen und ich werde dabei gänzlich auf Gewaltspiele verzichten, aber „Games don’t kill. Guns do.”
UPDATE:
Vom Netz in den Ausstellungsraum: Gamer über Videospiele und Gewalt
Skill3D zeigt eine Auswahl der Bilder aus der nach Winnenden gegründeten Flickr-Gruppe „Games Don’t Kill” im Juni im Wiener Museumsquartier.
Die Eröffnung findet am 15. Juni 2009 im Raum D des Quartiers für Digitale Kultur (QDK) statt. Auch die GruppengründerInnen und einige der Testimonialautoren werden anwesend sein. Nach einem Kick-Off durch ein Impulsreferat wird das Publikum die Möglichkeit haben, in einer open space discussion mit GamerInnen und Gaming-ExpertInnen über das Thema und die Bilder zu diskutieren.
Ab dem 18. Juni werden die Testimonials eine Woche lang hinter der Glaswand des Transforming Freedom Raumes (Quartiers für Digitale Kultur QDK ) zu besichtigen sein. Am 26. Juni wandert die Ausstellung schließlich zu den ESL Pro-Series Finals - der österreichisch-schweizerischen Bundesliga der Computerspieler -, in den Wiener Gasometer und bleibt dort während des zweitägigen eSport-Events.

Wunderbar! Danke fürs mitmachen!
ebenfalls danke für den beitrag in papamission!
@max, @digiom: gerne! Die selbe Debatte läuft ja auch regelmäßig zum Thema Kino und TV - ich oute mich gleich vorbeugend als Tarantino, Fincher und Rodriguez Fan;)
Bin sehr dafür, alle Gewaltspiele zu verbieten - und noch viel mehr alle Gewaltfilme (und das wären dann mindestens all jene, in denen ein Mensch ein Lebewesen tötet oder quält; also eh fast alle).
Und für alle die glauben, dass die Probleme, die zu Taten wie der in der Albertville-Realschule führen, damit gelöst oder auch nur nennenswert gelindert würden, für die hätte ich “a brigde so sell”…
Gewaltspiele zu verbieten, wäre an sich OK - sie sind ja jetzt nicht wirklich “nötig”. Aber es steckt eine große Gefahr im Verbot von “Killer-Spielen”: Der Glaube, dass damit nennenswert was verbessert wird und das folgliche Ignorieren der eigentlich Probleme - deren Behebung ist nämlich eben leider aufwändiger als ein einfaches Verbot.
Zum Beispiel das im Artikel erwähnte “aber nie alleine”. Es kostet eben Zeit, sich einen Film _gemeinsam_ mit dem Kind anzusehen und danach vielleicht darüber zu plaudern, oder mit dem Kind _gemeinsam_ ein Computerspiel zu spielen, um wirklich bescheid zu wissen, worum es dabei geht. Da verlieren Fernseher und Computer dann halt ihre Funktion als Babysitter…
Wenn ein Kind guten und ausgiebigen Kontakt zu einen Eltern hat, sich geborgen fühlt und aber auch zu Eigenverantwortung erzogen wird, bringen es auch alle Killer-Spiele, Softguns und Gewaltfilme der Welt nicht dazu, seine Mitschüler umzubringen!
Thx @ Walter für diesen Artikel!
@Johannes THX für diesen Kommentar. Ich bin prinzipiell gegen Zensur und Verbot, die Dinge werden dadurch auch noch interessanter gemacht – geht also nach hinten los. Und wie du richtig sagst, wird bei der derzeitigen Diskussion in Deutschland das eigentliche Problem nicht behandelt, sondern schnell ein Schuldiger gesucht.
Die Zeit und Gerborgenheit, die man jetzt in seinen Kleinen investiert und sie eben nicht ständig vorm Fernseher „parkt“, kann den Kindern später einmal vermutlich den Psychiater (und Drogen) ersparen.