Beim Einkaufen wurde ich heute zweimal mit „Du” angesprochen, das bedeutet auf der nach oben offenen Jugendlichkeitswahnskala eine Menge und ich kenne auch den Grund für meine ewige Jugend: Es ist der Kinderwagen, mein leider-Nein-SUV, oder besser gesagt, die Einjährige, die im Kinderwagen sitzt.
Es dauert nämlich seine Zeit, bis sich der menschliche Geist an etwas Neues gewöhnt. So wie ich noch immer Newton im Kopf habe, obwohl es längst Zeit für Einsteins Relativitätstheorie wäre, so gelten Frauen mit Babys scheinbar automatisch als jung, nur weil es früher üblich war, mit zwanzig das erste und mit dreiundzwanzig das zweite Kind zu bekommen.
Meinem geschundenen Ego hat das zweimalige „Du” auf jeden Fall gut getan, ich redete mir daraufhin sogar ein, die tiefen Falten, die ich heute Morgen um die Augen entdeckt habe, waren nur eine optische Täuschung.
Danach holte ich meine Vierjährige vom Kindergarten ab. Während ich mit ihr durch den Schnee stapfte, den Jungbrunnen vor mir herschiebend, erzählte ich ihr von meiner Kindheit, von Zeiten, als es nur während des Faschings Krapfen gab, von Wählscheibentelefonen mit Viertelanschluss und von einem Leben ohne Mobiltelefone und ohne Computer. Als ich in die ungläubigen Augen der Vierjährigen sah, kam ich mir plötzlich sehr, sehr alt vor.
Entschlossen änderte ich die Route und wir machten einen Umweg zur Bäckerei, zum Faschingskrapfen kaufen, um die modernen Zeiten, in denen es diese Fett-Zucker Bomben das Ganze Jahr über gibt, zu feiern. Und es störte mich überhaupt nicht, dass die nette, junge Verkäuferin „Sie” zu mir sagte, es war mir vollkommen egal, ehrlich. Ich frage mich nur, warum eine Bäckerei tausend Watt Glühbirnen in den Lampen braucht?

0 Kommentare zu “Faschingskrapfen machen alt”
Kommentar schreiben