An Kindern merkt man, wie die Zeit vergeht

Kinder erinnern uns an die Vergänglichkeit, das sagt ja die oft und zu jeder Gelegenheit gerne zitierte Volksweisheit: „An Kindern merkt man, wie die Zeit vergeht!” Ich meine das mit der Vergänglichkeit nicht metaphorisch, nein, nein, ich meine es im wortwörtlichen Sinn, dank meiner Vierjährigen werde ich nämlich des Öfteren am mein Ende erinnert.
Vor ein paar Tagen hat sie mir zum Beispiel verraten, wie ihr Kind heißen wird. Ein rührender Augenblick, ich gestehe, mein Mutterherz schlug ein wenig schneller, sie hat vor mich irgendwann zur Großmutter zu machen. Doch dann kam der Nachsatz. Meine Vierjährige, schaute mich mit ihren großen braunen Augen unschuldig an und meinte trocken „Toll oder, dass du das jetzt weißt, denn vielleicht bist du dann ja schon tot.”
Aha, vielen Dank.

Foto: just.Luc

Foto: just.Luc

Sie erinnert mich aber nicht nur in regelmäßigen Abständen an meine Endstation (vielleicht sollte ich den Weg zum Kindergarten ändern, derzeit marschieren wir jeden Tag durch einen Friedhof), sie beobachtet auch meinen körperlichen Verfall mit der Genauigkeit einer Anthropologin die das merkwürdige Volk der Mütter erforscht. So hat sie mir gestern mit den Händen gezeigt wie groß ihr Busen einmal sein wird und nach einem kritischen Blick auf meinem angemerkt: „So groß wie deiner, also so wie er früher war (als ich ihre Schwester gestillt habe Anm. der Mutter), nicht so wie er jetzt ist, denn jetzt ist er geschrumpft”
Aha, vielen Dank.
Langsam beschleicht mich das Gefühl, dass ich alt werde, und ich merke es nicht an den Kindern sondern durch meine Kinder. Aber mein erstes graues Haar hat sie noch nicht entdeckt und das gehe ich jetzt ausreißen.

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