Ich war gestern mit Freundin M. meinen Kindern, ihren Kindern und einem Nachbarskind rodeln. Der Nachmittag war so nett, dass es fast schon kitschig war. Die Kinder tollten im Schnee, der Himmel sorgte mit fetten, weißen Flocken für stetigen Nachwuchs und nicht einmal meine nassen Füße störten das Idyll, nein das machte jemand anderer. Und zwar ein Opa der seinen zehnjährigen Enkel ohne Unterlass maßregelte. „Mach das so und so nicht, und so schon gar nicht.”, erklärte er ihm mit lauter Stimme die Welt. Der Enkel hörte nicht auf ihn, der Opa drohte eine Watschn an, der Enkel gab schließlich nach und was sagte der Opa dann zu ihm? Lobte er ihn für seine Einsicht?
Nein.
Er sagte: „Du bist blöd wie a Zapfn”!
Die Mutter des Buben versuchte zu vermitteln, aber vergebens, im Streit zogen sie alle von dannen, zurück blieben wir und viele Fragen.
Was hätten wir gemacht, wenn der Opa seinen Enkel wirklich geschlagen hätte? Wären wir hingegangen und hätten gesagt: „Nein, so nicht mein Herr!” oder hätten wir so getan, als ob wir es gar nicht gesehen hätten. Hätten wir unseren Unmut, über das Verhalten des Mannes, laut kundgetan, und zwar so laut, dass er es auch bestimmt hört?
Wir wissen es nicht.
Obwohl die Drei-Generationen Familie längst den Rodelhügel verlassen hatte, war sie noch in meinen Gedanken. Denn der Opa hat etwas gemacht, was ein Einschreiten meinerseits genauso so wie eine Watschn gerechtfertigt hätte: Er hat seinen Enkel zur Schnecke gemacht, ihn als blöd bezeichnet, ihm Selbstvertrauen genommen. Er ist ein Räuber, aber er wird deswegen nie vor einem Richter stehen wird, denn es ist noch niemand wegen Diebstahl von Selbstvertrauen angezeigt worden. Aber ich hatte nicht den Mut gehabt, etwas zu sagen.
Am Abend habe ich meine Töchter vor dem Schlafen extra lang umarmt und ihnen dreimal gesagt, wie lieb ich sie habe und wie sehr ich den Nachmittag genossen habe, wie schön er nicht war.. Und das war er auch wirklich. Zumindest für mich, meine Töchter, Freundin M., deren Kinder und auch für das Nachbarskind.

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