Das Mama-Dasein hat ja wenig Glamour zu bieten, stinkige Windeln, angespiebene Pullover und Berge von Schmutzwäsche taugen nicht für den roten Teppich, aber es gibt eine kleine Insel der Coolness, ein Accessoire das Mutter noch dazu oft ausführen kann: Der richtige Kinderwagen, sozusagen der SUV der trendbewussten Mama. Mit ihm kann sie das Lebensgefühl, das sie vor dem Kind hatte, ein wenig in das neue Leben retten, koste es was es wolle.
Aus mir spricht der Neid, denn ich habe keinen SUV, nein ich habe den Golf der Kinderwägen, praktisch zuverlässig aber ein wenig bieder. Wie gerne hätte ich auch dieses Teil, mit dem sich eine zeitlang die Hollywood- und Model-Mamas geschmückt haben, gehabt, aber dann machte ich einen folgenschweren Fehler- ich ging mit dem Kindsvater den Wagen aussuchen und heraus kam dann ein Kompromiss (mit dem ich die ganze Zeit unterwegs sein muss). Obwohl mein Kinderwagen-Golf hervorragend zum Transport von Kastanien, Tannenzapfen, Papierfliegern, Reiskekspackungen, Trinkflaschen und Haargummis geeignet ist (das ist die Grundausstattung, ohne die verlässt die Vierjährige das Haus nicht) gibt es noch immer Tage an denen ich den SUVs anderer Mütter sehnsüchtig nachstarre.
Obwohl ich die SUVs eigentlich unsympathisch finde, also die echten, benzinbetriebenen meine ich jetzt, die sind mir zu groß und zu bullig. Autos haben mich nie besonders interessiert, aber der Weg zum Kindergarten führt uns über eine stark befahrene Straße. So stehe ich jeden Tag mit der Einjährigen im ich-bin-nicht-schick-aber-praktisch - Kinderwagen sitzend und der Vierjährigen an der Hand vor einem Zebrastreifen und sehe ein Auto nach dem anderen an uns vorbeifahren, rote, silberne, manchmal auch ein gelbes. Wir warten geduldig bis ein Autofahrer das macht, was die sieben oder acht vor ihm bereits hätten machen sollen, was aber erst dem Letzten der langen Kolonne einfällt: Stehenbleiben. Ich habe mir für dieses eigenartige Verhalten bereits eine Theorie zu recht gelegt: um so größer der Wagen, destor geringer die Chance, dass deren Besitzer für uns anhält.Vielleicht liegt es aber gar nicht an den Autofahrern, vielleicht liegt es an mir, genauer gesagt an meinem Kinderwagen, vielleicht bremsen SUVs nur für SUVs und ich muss warten bis ein Golf kommt und mich und meine Kinder rüberlässt.

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