Das Loch in der Socke

Ich bin heute Morgen um 5 Uhr 47 von einer SMS geweckt worden. Absenderin D., bekennende Frühaufsteherin „Warum bist du zufrieden, wenn du einen Mann mit einem Loch in der Socke siehst? Ich bin erst zufrieden, wenn er es selber stopfen kann.” (siehe: Brad Pitt saß (vielleicht) neben mir)

Loch

Foto: Vic Acid

Ja eh, aber so ist sie nun mal, die paradoxe Zufriedenheit. Sie ist sicher nicht das edelste meiner Gefühle, aber wenn das Selbstbewusstsein am Boden liegt, drängt sie sich rücksichtslos vor und dann fängt die Suche an. Ich will jemanden finden der etwas noch schlechter, noch miserabler, noch chaotischer als ich macht. Vielleicht eine Mutter, die noch müder aussieht, eine die noch grantiger zu ihren Kindern ist oder eben einen Mann mit zerrissener Socke.
Wissenschafter haben sich der paradoxen Zufriedenheit angenommen und mit Menschen Experimente gestartet. Versuchspersonen wurden zwei Angebote unterbreitet. Beim ersten Angebot wurde ihnen Geld geboten. Nicht ein paar lumpige Euro, nein ganze 100 000 € wollten sie ihnen geben, einfach so. Die Sache hatte nur einen kleinen Haken. Der Nachbar sollte im Gegenzug 200 000 € bekommen. Klingt nicht schlecht, jeder steigt offensichtlich mit viel Geld bei dieser Sache aus. Aber da gab es ja noch das zweite Angebot. Auch dieses hatte mit Geld zu tun. Es lautete: 50 000 € für die Versuchsperson und 25 000 € für den Nachbarn.
Welches Angebot nahmen sie an? Das erste, bei dem sowohl die Versuchsperson als auch der Nachbar deutlich mehr bekommen würden als beim zweiten Angebot? Nein, die meisten entschieden sich für die 50 000 € und ließen die 100 000 € links liegen, nur damit ihr Nachbar nicht mehr als sie selber hat. So ist sie nun mal, die paradoxe Zufriedenheit, wenn es jemanden schlechter geht als mir, bin ich zufrieden, denn das bedeutet: Soooooooo schlecht geht es mir gar nicht.
Klingt eigenartig ist aber so.
Und deswegen war ich wegen einem Loch in der Socke zufrieden, obwohl D. natürlich recht hat.

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