Positive Kommunikation III
Es ist 6 Uhr 57 Minuten, ein blonder Kopf schiebt sich ganz nah zu meinem hin, zwei große braune Augen starren mich an. Es ist schön Mutter zu sein, und ich bin ja nun nicht mehr nur mehr Mutter sondern trainierte Mutter, fast schon gedopt nach dem Seminar über positive Kommunikation. Nie mehr wieder wird eine Du-Botschaft über meine Lippen kommen, meine Kinder werden von mir nur mehr Ich, Ich, Ich zu hören bekommen. Bevor ich aber überhaupt etwas sagen kann, macht meine vierjährige den Mund auf.
„Du bist eine blöde Mama!”, ruft sie voller Inbrunst.
Vielen Dank.
Ich atme ein, zähle bis drei, es funktioniert nicht, ich bin noch nicht ruhig, ich zähle bis zwanzig, ich fühle mich noch immer nicht besser, fünfhundertdreiundzwanzig. Jetzt geht´s mir ein bisschen besser.
Nun bin ich bereit meine erste Ich-Botschaft anzubringen. Wie war das? Ich-Botschaften erzählen von den eigenen Gefühlen, sie teilen dem Angesprochenen mit wie es einem geht, sie sind kein Vorwurf, kein Verbot für das Gegenüber, sondern nur eine klare Aussage über einen selbst und der Zuhörer kann danach entscheiden was er mit dieser Information macht.
Also gut. „Ich bin müde, Tochter.”, sage ich.
„Du bist blöd.”, schallt es zurück.
O.k., im Kurs war das einfacher. Ich probiere es noch einmal.
„Ich bin hungrig, ich werde jetzt einmal Frühstück machen.”
Sag´s und steh auf, unglücklicherweise streife ich dabei mit meinem Bein zart die rechte Schulter meiner Tochter. Die lässt sich theatralisch in das Bett fallen und schreit.
„Du hast mich geschupft, weißt du wie weh das tut!”
„Ich habe dich nicht geschupft, ich bin hungrig, ich bin müde, ich mache uns nun allen etwas zu Essen. Wenn du etwas von mir willst, ich bin in der Küche.”
„Du bist eine blöde Mama!”, ist die einzige Antwort die ich von der Vierjährigen bekomme. Womit wir wieder bim Anfang wären.
Vielleicht sollte ich meine Tochter in ein Seminar schicken, mit dem Titel: Ich-Botschaften von Kindern für Eltern. Auf jeden Fall sollten in jeder Broschüre für Schwangere die süßen lächelnden Babys durch einen Hinweis ersetzt werden: ACHTUNG, KINDER! ZU RISIKEN UND NEBENWIRKUNGEN FRAGEN SIE EINE FREUNDIN MIT NACHWUCHS IM TROTZALTER!.
„Mama, du bist wirklich blöd.”, ruft es aus dem Klo.
Ja, ja, ich habe dich auch lieb.
liebe astrid,
surfe mich da grade durch deine kurzweiligen kolummnen - und neben respekt an dich, auch liebe grüße an den webmeister: sehr schön. da freu ich mich ja schon d´rauf !!!
ach ja, und wegen positiver kommunikation: ist wohl sehr ähnlich wie gewaltfreie kommunikation: immer schön bei sich bleiben, ich botschaften sozusagen, und: bloß keine kolonialisierungen. wir waren auch alles recht soziale frauen…
trotzdem beschlich mich beim letzten seminar das gefühl, das nächste sollte vielleicht eher kampfrethorik sein…
danke! freu’ mich auch schon auf deine seite :-) der webmasta